Ist es möglich ein старец in Bayern zu sein?

Argument von A: 


> Hallo Hans, dieses Mal war ich nicht schnell mit der Antwort! Was ich
> aber schon seit längerem schreiben wollte, ist, dass man meiner
> Meinung nach einen Staretz nicht mit einem Ort sondern mit einer
> Einstellung verbinden sollte. Vor allen heran ist solch ein Mensch
> einer, der seine eigene unabhängige Lebensphilosophie hat, die
> meistens in Einklang mit den Lehren des Christentums ist. Aber nicht
> ausschließlich. Oft gibt es eine Liebe für größere (als in der
> organisierten Religon vorhanden ist) Freiheit und volkstümliche
> Perspektiven, die an die lokalen, unmittelbaren Gegebenheiten
> angeknüpft werden. Noch dazu würde bei einem Staretz eine radikale
> Ablehnung der gegenwärtigen materialistischen Themen (wie Politik,
> Finanzkrise, Europa-Krise, Umweltschutz, usw) vorkommen, da sie für
> solch einen Mensch unwesentlich sind. Heutzutage ist die organisierte
> Kirche mit solchen Themen beschäftigt (zumindest werden sie immer in
> der Predigt bei uns in der Kirche eingeschlossen), und die Köpfe von
> der Religion beziehen eine moralische Haltung diesen gegenüber. Bei
> einem Staretz in Russland oder Dachauer-Hinterland wäre das nicht der
> Fall. Er ist mit dem Wesentlichen beschäftigt. Er würde die Sache
> wahrnehmen, aber keine Haltung dazu haben, sondern sie in einem
> größeren Rahmen betrachten. Ich rede mit der Maiken jetzt schon davon,
> wie wir unbedingt in die Ukraine müssen. Nicht dieses Jahr, aber
> irgendwann bevor es zu spät ist. Die Ösi (ganz) und alle andere Kinder
> (teilweise) haben eine krass ukrainische-russische-metaphysische
> Einstellung zum Leben, was sich vor allem in der dir ähnlichen Liebe
> für die Freiheit ausdruckt. Allerdings diese Freiheit drückt sich auf
> eine seltsame Art und Weise aus: man lehnt die Gesellschaft und Erfolg
> ab! Sie haben auch recht. In der Gesellschaft zu sein, heißt wohl sich
> Zwängen unterwerfen.
> Erfolg das gleiche. Ich erzähle hier weit und breit, wie die Darja
> abgelehnt hat, Karierre zu machen!!! Dass sie glücklicher ist mit
> weniger Geld und weniger Verantwortung. Dass sie nicht das Bedürfnis
> hat aufzusteigen!!!
> Da
> schauen die Leute hier!!!! 

Antwort von B:


Also mit der organisierten Religion oder Kirche triffst Du genau ins Schwarze.
Überall wo von Menschen erdachte Systeme und Ordnungen dahinter stecken hat es nichts mehr mit dem Ursprung zu tuen und ist irgendwie verfälscht.
Jesus hat gesagt:Ich lebe in der Welt,aber ich bin nicht von dieser Welt!   
Das gleiche hat er auch von seinen Jüngern gesagt.
Die Kirche ist aber sehr wohl von dieser Welt,mischt überall fleißig mit,strebt sehr nach Macht und häuft große Schätze an.
Ist Dir aufgefallen ,daß Jesus nur 12 Jünger hatte und nicht mehr.... 
Das ist bei anderen Religionen ähnlich so,und wird auch ähnlich so mißbraucht....
So what to do?
1.Darüber bescheid wissen!
2.Sich nicht vom System schlucken lassen,welches es auch immer ist.
3.In dieser Welt leben und fröhlich sein, und doch nicht wirklich von dieser Welt zu sein!--Das ist gedanklich und auch praktisch  möglich!
4.Aus dieser Sicht bekommen alle "Dinge"einen ihnen urspünglich zugedachten "richtigen" Platz.Der Maßstab für das "Richtige",kommt aus dieser Sichtweise.
Ich will mal hier aufhören,obwohl es noch so viele andere aufregende Beispiele dazu gibt.Ich habe den Eindruck Du verstehst mich, auch das was ich hier nicht angesprochen habe.
Man wird in dieser Welt mit so vielen Dingen nicht in Einklang kommen,das ist aber alles nicht so wichtig.Wichtig ist eigentich nur das man in Bewegung bleibt auf ein Ziel hin,so wie bei einem Fluss.Das Wasser im Flussbett wird oft unterwegs durch Hindernisse aufgehalten oder umgeleitet aber es fließt weiter zur Mündung ,zum Ziel.....und dort kommt es auch an!

Kommentare von A:

Zuerst fällt es mir schwer, da ich grundsätzlich deiner Meinung bin, bzgl. deiner 4 Thesen in Hinblick auf die treffende Aussage "überall wo von Menschen erdachte Systeme und Ordnungen dahinter stecken, hat es nichts mehr mit dem Ursprung zu tun und ist irgendwie verfälst" (unter "What to do" - eine sehr russisch-kommunisistische Formulierung, die u.a. vom Lenin and Cherneshevsky häufig gebraucht wurde). Aber ich glaube, dass wir uns in der Ausführung gewaltig unterscheiden, z.T. weil moralische Prinizipien die vermeite Handlung nach den Thesen untermauern, während bei mir eine eher anarchistisch literarische/kunstlerische Regellosigkeit herrscht. Schauen wir die vier Punkte genauer an:

1. Darüber Bescheid wissen

- Hier bin ich deiner Meinung.

2. Sich nicht vom System schlücken lassen

- Deshalb bereitet man Holz vor und kauft physisches Gold.

3. In dieser Welt leben und fröhlich sein, und doch nicht wirklich von dieser Welt sein!--Das ist gedanklich und auch praktisch  möglich!

- Ja, aber eine wichtige Frage ist hier "wie". Meiner Meinung nach siehst du das v.a. in Einklang mit der Natur zu leben. Das ist toll, wenn es heißt, dass man im Garten arbeiten kann oder an eigenen Projekten rumwurschtelt, aber wenn die Natur bestimmt, dass man ein bürgerliches Leben führt, an einem Ort in einer Firma 48-50 Wochen pro Jahr verbringt, den Rest der Zeit erschöpft ist, und in der Freizeit nur Banalitäten aus der Arbeit im Kopf hat, dann muss man die Natur gewaltig herausfordern. Die Option der Distanz zur Arbeit oder anderen Erreignissen im Leben ist auch möglich, aber man tut sich schwer in einer Gegenwart des Druckes und erwarteter Unabhängigkeit. Möglich wäre das, wie ihr in Röhrmoos mit deinen Eltern gelebt habt und wie man früher in Großfamilien gelebt hat, und als die Firmenarbeit, die man im Büro ausgesetzt war, nicht eine Qual darstellte und die Menschen geistig krank machte. Dann durfte man gemütlich rumarbeiten, viel sparen und in dieser Welt leben, ohne von dieser Welt zu sein. Heute kann ich mir kaum einen Bürojob vorstellen, in dem man nicht gezwungenermaßen von dieser Welt ist. Daher, um sich nicht vom System schlücken zu lassen, muss man in etwa gegen diese Welt kämpfen, und bewusst und aktiv kämpfen. Nur dann gibt es eine Chance, das Ziel "nicht von der Welt sein" zu erreichen. Insofern kann man und muss man Fröhlichkeit, Gluck oder Happiness vergessen. Zuerst ist es sowieso als Zustand nicht möglich - das ist ein Riesenfehler, den wir (Amerikaner) machen - und wenn es auch so wäre, dann würde dieser Zustand das Normale werden, und wir würden irgendwelche andere Wörter benutzen, um einen erheitereten Zustand zu beschreiben (in Amerika nenne ich ihn bei den gegenwärtigen Frauen Hysterie, weil der normale Zustand tatsächlich oberflächliche Glücklichkeit ist). Zweitens ist ein Zustand der Fröhlichkeit problematisch, um nicht von dieser Welt zu sein, weil zum großten Teil die Leute nicht annährend so geistig sind wie du, deine Frau und die 6 Töchter (auch ein Grund, um super zu schreiben). Hier in Amerika, zum Beispiel, ist man ständig mit solchen unglaublichen materialistischen Lapallien konfrontiert, dass es einem sprachlos lässt. Stell dir mal vor, man müsse fröhlich auf diese Banalitäten reagieren! Nicht nur ist es anstrengend und ärgerlich, sondern auch werden dadurch diese Aussagen, d.h. diese materialistische Diskurs unterstützt. Insofern bietet die Fröhlichkeit der Weltlichkeit Unterstützung an (genau diese Kritik ist ein Hauptstreit zwischem meiner Mutti und mir). Diese Aspekte sind aber dann noch problematisch für sich selber in Hinsicht auf deinen 4ten Punkt.

4. Aus dieser Sicht bekommen alle "Dinge"einen ihnen urspünglich zugedachten "richtigen" Platz.Der Maßstab für das "Richtige",kommt aus dieser Sichtweise.

Wie oben geschildert oder angedeutet wurde, ist es möglich ohne Arbeit in einer Firma, in dieser Welt zu leben, aber nicht von ihm zu sein, aber die "Dinge" bekommen nicht den "richtigen" Platz, vor allem wenn man fröhlich ist. Warum? Weil man unbewusst reingezogen wird. Ich glaube, dass du schon recht mit dem Prinzip "des richtigen Platzes" hast, aber man muss sehr vorsichtig sein, um nicht in etwas reingewickelt zu werden, die für einen nicht geeignet ist. Vor allem, weil es viele Dinge die anlockend vorkommen (in erster Linie wegen materialistischer sofortigen Erfüllung). Das ist der Hauptfehler, den Siegfried in Swanensee macht, er wählt das Materialistische über das Geistig, kehrt später kurzfristig zum Geistigen zurück und erkennt, dass es ihm für immer verlorengegangen ist. Der Tod folgt. Vielleicht war das der richtige Platz für Siegfried, aber vielleicht auch hat er sich verführen lassen, weil die Gesellschaft ihn dazu gedränkt hat. Noch schlimmer hat er diese Entscheidung in einem Augenblick des kurzfristigen Gluckes gemacht. In deiner Vorstellung lässt du, glaube ich, den Gesellschaftsdruck aus. In dieser Hinsicht genießen wieder du, deine Frau, die sechs Kinder und auch wir in unserer Familie enorme Freiheit, vielleicht weil wir alle ein bisschen naiv, isoliert und Nullchecker sind. Aber für einen richtigen Platz außerhalb der materialistischen Bahn ist das ein Riesenvorteil. Nichtdestoweniger ist der Druck des (materialistischen) Erfolgs enorm. Und wenn man dem fröhlich entgegenkommt, ist man im Zwang der Fröhlichkeitsregeln gefangen. Man ist in Bewegung, fließt wie dein Fluss, aber man fließt tatsächlich in die falsche Richtung!!! Man fließt in diese Welt hinein. Deshalb sollten wir tatsächlich an unserem Grundstuck in Vermont eine FußBrücke über den Fluss bauen (etwa 8 m lang).
 

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